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Deutschland: Bildungspolitisches Entwicklungsland?!
Ein Bericht der Associated Press
Dienstag 4. Dezember 2001
Schlechtes Zeugnis für deutsche Schüler
OECD veröffentlicht Pisa-Studie - Deutsche Schüler besonders leseschwach - Große Leistungsunterschiede
Berlin (AP) In kaum einem anderen Land sind die Schüler so leseschwach wie in Deutschland. Nach den am Dienstag offiziell vorgestellten Ergebnissen des weltweit bisher ANZEIGE
größten Schulleistungsvergleichs liegen die Schüler in Finnland, Australien und Neuseeland dagegen an der Spitze. Die OECD testete in der so genannten Pisa-Studie 250.000 Schüler in 32 Ländern, davon 6.000 in Deutschland.
Die deutschen Schüler belegten bei der Lesekompetenz Rang 25, in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Tests schneiden sie mit den Plätzen 22 und 23 unwesentlich besser ab. Erstmals wurden von der OECD auch Daten über die soziale Situation der Schüler erhoben. Dabei wird deutlich, dass die leistungsschwachen Schüler vor allem aus Migrantenfamilien und Elternhäusern mit geringem Bildungsstand kommen. Das schlechte Gesamtabschneiden erkläre sich auch durch mangelnde Integration von ausländischen Kindern und deren Familien, sagte OECD-Bildungsstatistiker Andreas Schleicher.
In Deutschland sei im Vergleich mit anderen Ländern der stärkste Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund und Bildungsstand ausgemacht worden, betonte Schleicher. Dadurch könne nicht mehr von Chancengleichheit gesprochen werden. Schleicher wies darauf hin, dass in kaum einem anderen Land die Leistungsunterschiede zwischen den Schülern so groß sind wie in Deutschland. Besonders in den Spitzenländern der Pisa-Studie gebe es eine geringe Leistungsstreuung. Interesse und Motivation nannte Schleicher als wesentliche Anreizpunkte für gute Leistungen.
Schleicher betonte, als Konsequenz aus der Studie komme es darauf an, flexible Bildungswege zu schaffen. Kaum ein anderes Land selektiere die Schüler so früh wie Deutschland und habe so viele unterschiedliche Schulformen.
Auch in den Ausgaben für Bildung liegt Deutschland knapp unter dem OECD-Durchschnitt. Die Gesamtausgaben pro Schüler von der Einschulung bis zum 15. Lebensjahr belaufen sich in Deutschland auf rund 42.000 Dollar; im OECD-Durchschnitt liegen sie bei 44.000 Dollar. Geld sei aber nicht die einzige Ursache für das schlechte Abschneiden, sagte Schleicher. In Deutschland verliefen die Bildungsinvestitionen umgekehrt zu den meisten anderen Ländern. Korea, Irland oder Großbritannien kommen mit vergleichbaren Bildungsausgaben auf wesentlich bessere Plätze.
Schleicher verwies darauf, dass Pisa (Programme for International Student Assessment) kein traditioneller Schulleistungstest sei. Es sei nicht um die Abfrage von Wissen, sondern um deren Anwendung gegangen. Die Schüler hätten sowohl Multiple-Choice-Aufgaben zu lösen gehabt, aber auch eigene Antworten und Bewertungen finden müssen. Die Schüler wurden über einen Zeitraum von zwei Stunden getestet.
Für tiefere Infos siehe z.B. Seiten der OECD.
Außerdem findet Ihr auf den Seiten von McKinsey-bildet einen Beitrag von mir zum Thema. Ich hoffe, dadurch werden Denkanstösse angeregt.
Eindrücke zu dieser Veranstaltung hier.