Home       Kontakt        USA        Guestbook        Links


Mittlerweile (7. Oktober) bin ich seit rund sechs Wochen in Detroit. Zwar ist die Arbeit an der Uni inzwischen etwas mehr geworden. Zum Glueck bleibt aber noch genug Zeit, um sich auch anderen Dingen zu widmen; zum Beispiel um meine Stichwortliste zu aktualisieren und auszubauen:

Detroit: Der schoene Spaetsommer scheint vorbei zu sein. Detroit zeigt sich im doppelten Wortsinn von seiner kalten Seite. In der vergangenen Woche gab es einen regelrechten Temperatursturz. Andeutungsweise ist schon zu sehen, was sich hier im Winter abspielen wird. Die Penner liegen zusammengekauert in irgendwelchen Ecken und haschen nach Waerme. Ich moechte nicht wissen, wie viele Tote der Frost im Winter fordert.

Fortgehen/Feiern: In den Vororten Royal Oak und Pontiac tanzt am Wochenende der Baer. In den Diskotheken und Bars ist es auch kein groesseres Problem, fluechtige Bekanntschaften zu schliessen. Gestern hatten wir eine relativ witzige WG-Fete. Einer der Amerikaner war so betrunken, dass er zu spaeter Stunde zu strippen begann und uns seine Leidenschaft fuer eine Deutsche und eine Franzoesin an unserem Department offenbarte ("They are so beautiful"). Im betrunkenen Zustand war er leider nicht mehr in der Lage, Slowenien von Rumaenien zu unterscheiden. Er konnte den anwesenden Rumaenen so oft fragen wie er wollte, wo er herkommt, und reproduzierte die Antwort dann wieder falsch. Aber da ist er in Amerika ja in guter Gesellschaft (bekanntlich verwechselte George W. Bush ja die Laender Slowakei und Slowenien miteinander). Manchmal komme ich mir hier vor als waere ich im falschen Film. By the way, Kino ist hier in Amerika meistens spottbillig (oft fuer ein bis zwei Dollar).

Job-Wunder: Sicherlich, Amerika ist das Land der Hochtechnologie. Das Job-Wunder hat aber auch eine andere Nuance, die einem ueberall ins Auge springt. Im Supermarkt wird jedes Teil einzeln in eine Tuete eingepackt, an der Kinokasse kassiert eine Person das Geld und eine andere reicht den Kaeufern die Karten. Wenn im Copy-Shop der Kopierer nicht funktioniert, kuemmern sich drei Serviceangestellte darum (was aber nicht heisst, dass es schneller geht; ganz im Gegenteil)...

Menschen: Zwar kenne ich mittlerweile ein paar Amerikaner. Bisher geht es aber leider nicht ueber Bekanntschaften hinaus. Am Rande: Im amerikanischen ist man sehr schnell ein "Friend" von irgendjemanden. Das liegt aber an mangelnden sprachlichen Differenzierungen. "Friend" bedeutet nicht viel mehr, als irgendjemanden irgendwann irgendwo kennengelernt zu haben.

Oekologie: Wahrlich ein Fremdwort in den Vereinigten Staaten. Die Autos schlucken vermutlich ein Vielfaches dessen, was europaische Ausfuehrungen an Benzin verbrauchen. Zudem sind sie groesstenteils total ueberdimensioniert. Jedes Fast-Food-Restaurant und so gut wie jede Wohnung ist mit einer Klimaanlage ausgestattet, die quasi das Oeffnen von Fenstern ersetzt (bei mir im Wohnheim lassen sich die Fenster sowieso nur kippen). Die Tueten im Supermarkt hatte ich ja schon erwaehnt. Mittlerweile habe ich meinen oekologisches Gewissen auch etwas ausgeschaltet. Es hat beispielsweise ueberhaupt keinen Zweck, dem Tueteneinpacker im Supermarkt zu erklaeren, man wolle keine Tuete. Man wird hoechstens angeschaut als waere man vom Mond.

Uni: Weiterhin sehr angenehm. Leider konnte ich wegen des begrenzten Kursangebots nicht ganz meinen Interessen entsprechend waehlen. Vermutlich werde ich in manchen Faechern deswegen relativ minimalistisch arbeiten. Wie schon erwaehnt: Die Arbeit ist mehr geworden. Die ersten Hausaufgaben und Papers haben wir schon hinter uns. Demnaechst stehen uns die ersten Midterm-Exams bevor.

Wahlkampf: In meinem Briefkasten landen in letzter Zeit gehaeuft irgendwelche Wahlpamphlete, und auf allen Fernsehkanaelen bewerfen sich die beiden Praesidentschaftskandidaten uebelst mit Dreck. Die erste Debatte zwischen Bush und Gore war stinkelangweilig. Die beiden Kandidaten diskutierten ueberhaupt nicht miteinander, sondern beantworteten nur ganz strukturiert die Fragen des Moderators. Nein, ich muss wohl besser sagen: Sie lasen die vorformulierten Fragen runter. Von Spontanitaet keine Spur.

Fazit: Es macht weiterhin Spass, in Detroit zu leben und zu studieren. Natuerlich ist mir als Europaeer die eine oder andere Seite der amerikanischen Lebensweise manchmal etwas fremd. Vermutlich waere es aber wohl etwas engstirnig und arrogant, andere Verhaltensweisen und Einstellungen deswegen gleich zu verwerfen. Ein Amerikander wuerde in Deutschland wahrscheinlich auf mindestens genauso viele "komische Dinge" stossen wie ich hier. Typisches Stereotyp ueber die Deutschen ist zum Beispiel, sie seien sehr strukturiert und entsprechend alles andere als spannend.